Testbericht für Handhebelmaschinen 2015

Ein handgebrühter Espresso – kann es etwas Schöneres geben? Schon die Prozedur der Zubereitung gleicht einer Ouvertüre, jeder Handgriff sitzt und ist auf den nächsten perfekt abgestimmt. Ein Erlebnis mit allen Sinnen: hören, sehen, riechen, fühlen und natürlich – schmecken! Das gilt in besonderem Maße für eine Handhebelmaschine. Hier wird jeder Schritt der Espresso-Zubereitung sichtbar und kann live verfolgt werden.

Was zeichnet eine Handhebelmaschine aus?

Das Patent der ersten Handhebelmaschine zur traditionellen Zubereitung von Espresso geht auf das Jahr 1948 zurück. Es war ein Italiener namens Achille Gaggia, der die entsprechende Maschine erfand, mit der ein echter Espresso völlig ohne Zuhilfenahme von elektrischem Strom zubereitet werden kann. Möglich wird dies durch einen Kolben in der Brühgruppe, der durch den Handhebel (daher der Name des Gerätes) gesteuert wird. Der Kolben wird durch Betätigen des Handhebels zischen Ruhestellung und Arbeitsstellung bewegt. In der Arbeitsstellung kann das Wasser in die Brüheinheit einfließen, welches anschließend durch den Kolben in der Brühkammer unter bis zu 9 bar Druck gesetzt wird. Durch das Zurückführen des Hebels (und damit des Kolbens) in die Ruhestellung wird der Espresso anschließend extrahiert.

Auf einen Blick: Die Eckdaten für einen perfekten Espresso

  • Temperatur des Wassers: 92 ° C
  • Druck in der Brühkammer: 9 bar
  • Menge des Kaffees: 7 g / Tasse
  • Zeit: 25 Sekunden
  • Daraus entsteht folgende Menge Espresso: 25 ml

Somit erfolgen sowohl die Steuerung des Wassereinlasses als auch der Aufbau des nötigen Drucks in der Brühkammer rein manuell durch die Bewegung des Kolbens per Handhebel. Allerdings muss beim Verzicht auf Elektrik der Kessel alternativ beheizt werden, z. B. mittels Gas.

Obwohl die Handhebelmaschinen ab den 60er-Jahren des vorigen Jahrhunderts zunehmend von solchen mit elektrischer Pumpe abgelöst wurden, blieben sie insbesondere in den ländlichen Gegenden Italiens vielfach erhalten. Ein Grund dafür waren die schwachen Stromnetze, die einen reibungslosen Betrieb von elektrisch betriebenen Maschinen oft nicht möglich machten.

Seit einiger Zeit erleben die Handhebelmaschinen weltweit eine Renaissance. Man besinnt sich wieder auf alte Tugenden, die gute Handarbeit, die sich laut Meinung vieler Kaffee-Fans sogar im fertigen Produkt erschmecken lässt. Zudem begeistert die technisch-kühle Optik der Handhebelmaschinen immer wieder, sie sind ein Schmuckstück in jeder Küche und verbinden technokratisches Design mit traditioneller Funktion.

Wenn auch Sie dem Charme der Handhebelmaschinen erlegen sind und über den Kauf einer solchen Pretiose nachdenken, finden Sie nachfolgend eine ausführliche Kaufberatung mit Übersicht der besten und beliebtesten Modelle.

Vor- und Nachteile der Handhebelmaschine

Jedem, der sich für den Kauf einer Handhebelmaschine interessiert, sollte klar sein, dass eine solch klassische Espressomaschine es nicht mit einem modernen und vollausgestatteten Kaffeeautomaten aufnehmen kann. Einfach auf den Knopf drücken und nach einigen Sekunden fließt das fertige Getränk heraus – das gibt es hier nicht. Echte Handarbeit ist gefragt! Trotzdem bietet auch dieses etwas altertümliche Verfahren einige Vorteile gegenüber den scheinbar perfekten Kaffeevollautomaten. Hier einige Beispiele:

Durch die rein mechanische Funktionsweise der Handhebelmaschine muss nichts mühsam programmiert werden. Ist der Brühvorgang einmal in Fleisch und Blut übergegangen, geht die Zubereitung des Espressos fortan automatisch vonstatten.

Mit einer Handhebelmaschine ist der Nutzer selbst für die Qualität und die Intensität des Espressos verantwortlich. Er kann durch diverse Faktoren Einfluss auf das Ergebnis nehmen, z. B. durch den Druck, die Wassertemperatur usw. So wird es möglich, sich seinen ganz persönlichen Espresso „nach Maß“ zuzubereiten.

Durch die Verwendung rein mechanischer Baugruppen sind Handhebelmaschinen deutlich weniger anfällig für Defekte. Und sollte doch einmal etwas kaputt gehen, kann es meist schnell repariert werden. Viele Handhebelmaschinen sind bereits seit Jahrzehnten im Einsatz und verrichten klaglos ihren Dienst.

„Wo Licht ist, das ist auch Schatten“, so ein altes Sprichwort. Daher wollen wir auch die Nachteile der Handhebelmaschine an dieser Stelle nicht verschweigen. Diese sind:

Der größte Vorteil der Handhebelmaschinen ist auch zugleich ihr wichtigster Nachteil – zumindest für Menschen, die es gewöhnt sind, ihren Espresso auf Knopfdruck vollautomatisch zu erhalten. Mit der Handhebelmaschine ist es dagegen wie in einer guten Beziehung: Man muss erst zusammenwachsen, die kleinen Eigenheiten des anderen erkennen und akzeptieren und ihn „zu nehmen wissen“, damit das Ganze letztendlich eine perfekt funktionierende Einheit ergibt.

Die Brühgruppen von Handhebelmaschinen sind i. d. R. recht klein dimensioniert. Daher eignet sich die Maschine nicht dafür, mehrere Espressi parallel bzw. direkt hintereinander zuzubereiten. Sie eignet sich also nur für die Zubereitung einzelner Tassen, nicht für größere Familien oder Gesellschaften.

Bei einer Handhebelmaschine lässt sich die Wassertemperatur nicht exakt einstellen. Viele Maschinen erhitzen das Wasser auf über 100 Grad, obwohl eine Temperatur von 92 – 96 Grad das Optimum darstellt. Somit verändert sich auch der Geschmack des Espressos merklich.


Die beliebtesten Handhebelmaschinen im Test

Die folgenden Testberichte umfassen die meistverkauften und somit beliebtesten Handhebelmaschinen der letzten Jahre.

Platz 1: La Pavoni Professional

Sie möchten einen echten Klassiker, der sogar im Museum of Modern Art in New York vertreten ist? Dann ist die La Pavoni Professional die richtige Handhebelmaschine für Sie! Bereits seit mehreren Jahrzehnten wird das Gerät fast unverändert gebaut.

Die ausgeklügelte Technik konnte im Test voll überzeugen. Mit dem großen, rund 1,6 Liter fassenden Kessel kann genug Wasser für etliche Brühvorgänge bevorratet werden. Manometer und Wasserfüllstandanzeige sorgen dafür, dass der Anwender jederzeit alle wichtigen Werte des Brühvorgangs im Blick hat.

Optional gibt es die Maschine auch mit edlen Holzgriffen und dem obligatorischen Adler auf dem Kessel, allerdings ist sie in dieser Ausführung recht teuer. Insgesamt haben wir es hier mit einer Maschine für Liebhaber zu tun, die dennoch den ihr zugedachten Zweck sehr gut erfüllt.

La Pavoni Professional-Lusso-Holzgriffe Espressomaschine
  • Druck:0.8 bar
  • Geeignete Kaffeeart:Pads, gemahlener Kaffee
  • Kaffeemaschinen-Merkmale:Wasserstandsanzeige, Hochdruck-Sicherheitsventil, integrierter Druckmesser, Ein/Aus-Schalter
  • Produkttyp:Kaffeemaschine mit Cappuccinatore
  • Tassenzahl:16
ab 321,00 Euro
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Platz 2: Elektra Micro Casa S 1

Ein Traum in Kupfer und Messing – das ist die Elektra Casa S 1. Ein Schmuckstück für jede Küche. Das konsequent im Retro-Stil gehaltene Gerät beschert Ihnen einen Espresso, wie er schon vor 50 Jahren traditionell in Italien zubereitet wurde.

Die Elektra Mico Casa S 1 besitzt einen Wasserkessel aus Messing und eine ganze Armada von Kupferteilen, von denen manche allerdings lediglich aus verkupfertem Alu oder Stahlblech bestehen. Der Optik und Funktion tut dies allerdings keinen Abbruch.

Das Volumen des Tanks ist ausreichend für etwa zwei große Latte-Gläser. Für die Zubereitung großer Mengen ist die Maschine also eher nicht geeignet. Positiv überrascht hat uns dagegen der Dampfdruck – er gehört zum Besten, was die getesteten Handhebelmaschinen hergaben.

Die schwenkbare, verchromte Dampfdüse und das nostalgische Schauglas für den Wasserfüllstand sorgen nicht nur für eine schöne Optik, sie unterstreichen auch die gute Funktionalität der Maschine. Alles in allem ein Top-Gerät, dass allerdings mit Preisen von deutlich über 1.000 Euro im Handel auch einen gut gefüllten Geldbeutel erfordert.

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Platz 3: Bezzera Strega

Wer weniger Wert auf ein exklusives Retro-Design mit vielen kleinen, aber oftmals unnützen Features legt, dem sei zur Bezzera Strega geraten. Die etwa 800 Euro teure Handhebelmaschine verfolgt den Leitsatz „form follows function“ in Reinkultur. Nicht dass das Gerät hässlich oder minderwertig aussehen würde – sie wirkt mit ihrem großen glattflächigen Chromgehäuse lediglich etwas schlicht und funktional. Der besondere Clou dieser Maschine ist das sogenannte Zweikreissystem. Das bedeutet: Dampf und Kaffee werden in getrennten Kreisläufen erzeugt, somit kann gleichzeitig aufgeschäumt und Kaffee zubereitet werden.

Die elektrisch beheizte Brühgruppe besitzt eine Nennleistung von rund 1.400 Watt – kein Top-Wert, aber durchaus für ein gutes Ergebnis ausreichend. Das Wasser wird mit etwa 1 bar in die Brühgruppe gedrückt. Durch die elektrische Beheizung und Steuerung mit einem Anlegethermostat ist die Brühgruppe sehr temperaturstabil, was sich sehr positiv auf den Geschmack des Espresso auswirkt. Im Test konnte hier das beste Resultat erzielt werden.

Die robuste Ausführung fast aller Bauteile der Maschine begeistert immer wieder. Allein die Brühgruppe wiegt ca. 10 kg. Somit kann davon ausgegangen werden, dass die Bezzera Strega auch bei häufigem Gebrauch für lange Jahre Freude bereiten wird.

Fazit: Rein technisch gesehen haben wir es hier mit dem besten Gerät im Test zu tun. Somit eignet sich die Maschine auch für den häufigen Gebrauch. Lediglich die Optik dürfte ein bisschen aufregender sein.

Bezzera Strega AL TOP Espressomaschine
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Bezzera Magica Espressomaschine
  • Made in Italy
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Platz 4: Gaggia Achille

Der absolute Klassiker – benannt nach dem Erfinder der Handhebelmaschine Achille Gaggia. Für den stattlichen Preis ab etwa 900.- Euro (je nach Ausstattung) erhält der Käufer hier eine leistungsfähige Handhebelmaschine mit gut verarbeitetem und langlebigem Edelstahlgehäuse. Besonderes technisches Feature: Die Maschine besitzt einen Wärmetauscher und kann daher nicht überhitzen, außerdem kann der Wassertank auch während des Betriebes nachgefüllt werden, was die Zubereitungszeit für mehrere Espressi deutlich verkürzt. Allerdings fasst der Kessel nur etwa 800 ml und muss im Dauergebrauch daher des Öfteren nachgefüllt werden.

Im Test arbeitete die optisch wunderschöne Maschine lautlos und effektiv. Insbesondere die Dampfleistung konnte auf ganzer Linie überzeugen und macht auch das Brühen eines Espresso nach Latte-Art problemlos möglich. Durch die Verkleidung des Boilers wird das Gehäuse nicht heiß, es besteht somit keine Verbrennungsgefahr. Auch bei der Konstruktion des Siebträgers haben sich die Konstrukteure viele Gedanken gemacht, der Kaffeesatz spritzt nicht, die Küche bleibt sauber.

Fazit: Wer den echten Klassiker haben möchte und Nachbauten scheut, kommt an der Gaggia Achille nicht vorbei. Die Handhebelmaschine bringt das schöne Gefühl mit, den täglichen Espresso auf die ursprünglichste Art und Weise zuzubereiten. Kleine Unzulänglichkeiten wie die nicht wärmende Tassenablage oder der fehlende Federkolben verzeiht man dem Gerät daher gerne.